Gemeinsame Erklärung zu Inklusion & Diversität in den Freiwilligendiensten
Abschluss der Koordinierungsstelle für Inklusion und Diversität
Nach 4,5 Jahren endet die Arbeit der Koordinierungsstelle für Inklusion und Diversität in den Freiwilligendiensten. Das seit 2022 vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt war bundesweite Anlaufstelle für Fachkräfte, Träger sowie Freiwillige und Interessierte zu Fragen der Inklusion und Diversität in den Freiwilligendiensten.
Die Koordinierungsstelle unterstützte Organisationen dabei, die Jugendfreiwilligendienste (FSJ und FÖJ) sowie den Bundesfreiwilligendienst (BFD) inklusiver und diversitätsgerechter zu gestalten. Darüber hinaus beriet sie Freiwillige und Interessierte zu Teilhabemöglichkeiten sowie zu Leistungen, die eine Teilnahme am Freiwilligendienst erleichtern können.
Im Laufe der Projektarbeit etablierte sich die Koordinierungsstelle als wichtiger Ansprechpartner innerhalb der Freiwilligendienstlandschaft. Die hohe Nachfrage nach Beratungs- und Fortbildungsangeboten sowie zahlreiche positive Rückmeldungen führten dazu, dass die zunächst bis 2024 vorgesehene Förderung bis zum 30. August 2026 verlängert wurde.
Während der Schwerpunkt zu Beginn insbesondere auf der Inklusion von Menschen mit Behinderung lag, wurde im weiteren Projektverlauf deutlich, dass auch andere marginalisierte Gruppen stärker berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören unter anderem queere Menschen (LGBTQIA+), Personen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, Menschen mit erschwertem Zugang zu Bildung oder niedrigem sozioökonomischem Status sowie Menschen, die aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Diskriminierung erfahren. Deshalb verfolgte die Koordinierungsstelle ab 2025 verstärkt einen intersektionalen Ansatz, ohne dabei die Inklusion von Menschen mit Behinderung aus dem Blick zu verlieren.
Gemeinsame Erklärung als nachhaltiges Projektergebnis
Ein zentrales Ergebnis der Koordinierungsstelle ist die „Gemeinsame Erklärung zu Inklusion und Diversität in den Freiwilligendiensten“. Sie entstand in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess mit den Zentralstellen der Freiwilligendienste und bildet den fachlichen Abschluss der Projektarbeit.
Ausgangspunkt war die Frage, wie die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen langfristig in den bestehenden Strukturen der Zentralstellen verankert werden können. Hierfür wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet. Im Verlauf des Austausches zeigte sich, dass die Zentralstellen über sehr unterschiedliche organisatorische Voraussetzungen, Strukturen und Handlungsspielräume verfügen. Ein einheitlicher Umsetzungsansatz wäre dieser Vielfalt nicht gerecht geworden. Gleichzeitig bestand Konsens darüber, dass ein gemeinsames Verständnis von Inklusion und Diversität sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Strukturen ein gemeinsames Ziel sind.
Die daraus entstandene Gemeinsame Erklärung formuliert dieses gemeinsame Selbstverständnis. Sie dient als Orientierung für die zukünftige Zusammenarbeit und beschreibt Leitgedanken für die Weiterentwicklung von Strukturen, Prozessen und Haltungen in den Zentralstellen. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine gemeinsame fachliche Entwicklungsrichtung.
Die Erklärung umfasst zwei zentrale Perspektiven:
- Nach innen regt sie die Zentralstellen dazu an, ihre Strukturen, Prozesse und Haltungen regelmäßig hinsichtlich Inklusion und Diversität zu reflektieren, Barrieren abzubauen und Veränderungen entsprechend ihrer jeweiligen Möglichkeiten anzustoßen.
- Nach außen setzt sie ein gemeinsames Zeichen für diskriminierungssensible und möglichst barrierearme Freiwilligendienste. Gleichzeitig bekräftigt sie den Willen der Zentralstellen, den fachlichen Austausch und die gegenseitige Unterstützung dauerhaft fortzuführen.
Ausblick
Die Gemeinsame Erklärung macht deutlich, dass die nachhaltige Weiterentwicklung inklusiver und diversitätsgerechter Freiwilligendienste nicht allein durch das Engagement der Zentralstellen erreicht werden kann. Erforderlich sind darüber hinaus geeignete politische Rahmenbedingungen sowie eine verlässliche und langfristige Förderung, damit begonnene Entwicklungsprozesse dauerhaft gesichert und weiterentwickelt werden können.
Mit der Gemeinsamen Erklärung bleibt ein wesentliches Ergebnis der Koordinierungsstelle bestehen: ein gemeinsamer Orientierungsrahmen für die zukünftige Gestaltung inklusiver und diversitätsbewusster Freiwilligendienste.
Erfolgsgeschichte: Ein Freiwilligendienst öffnete Niklas neue Türe
(Quelle: Interview zwischen der Koordinierungsstelle Inklusion und Diversität in den Freiwilligendienst und Niklas Kedenberg, 2022)
Hallo, ich bin Niklas und mache derzeit meine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement im Bischöflichen Generalvikariat in Trier. Hier wurde ich als Auszubildender übernommen, nachdem ich einen Bundesfreiwilligendienst hier erfolgreich geleistet habe.
Ich bin seit meiner Geburt durch eine Tetraspastik und infantile Zerebralparese behindert. Ich mag es, lieber einfach „behindert“ zu sagen, anstatt mit anderen Begriffen die Tatsache umständlich zu umschreiben. Ich bewege mich in einem Elektrorollstuhl und bin auf Unterstützung bei fast allen Aufgaben angewiesen.
Nach meinem Abitur habe ich Lebensmitteltechnik studiert, allerdings musste ich mein Studium abbrechen, da mich kein Betrieb für ein verpflichtendes Praxissemester beschäftigen wollte. Vom Integrationsfachdienst wurde mir damals gesagt, dass es für mich sehr schwierig wird, eine Ausbildung auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu finden. Über die Beratungsstelle vom Club Aktiv in Trier, wurde mir empfohlen, einen Bundesfreiwilligendienst zu machen. Also bewarb ich mich auf einen BFD über die Sozialen Lerndienste im Bistum Trier. Dies war der Beginn eines Abenteuers, das mich zu meiner jetzigen Tätigkeit geführt hat.
Meinen BFD habe ich in der Medienstelle für Blinde und Sehbehinderte im Bistum Trier abgeleistet. Dank Aufzug und Rampe war der Zugang für mich barrierefrei. In der Einsatzstelle habe ich insbesondere an der Hör-Zeitschrift „Tonpost“ gearbeitet, welche einmal im Monat, mit verschiedensten Beiträgen auf CD gebrannt, an blinde und sehbehinderte Menschen deutschlandweit versendet wird.
Für die gesamte Dauer meines BFD wurde ein Fahrdienst und eine persönliche Assistenz vom Sozialamt in Trier bewilligt. Wenn Du eine gute Assistenz hast, lassen sich alle Herausforderung regeln. Der BFD hat in meiner beruflichen Entwicklung eine sehr große Rolle gespielt. Es war eine große Chance, denn hierdurch habe ich das Bistum als Arbeitgeber kennengelernt und im Zuge dessen meine jetzige Ausbildung gefunden. Es war auf jeden Fall ein immenser Erfolg, der mir viel gebracht hat“.

