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Intersektionalität – Vielfalt in der Vielfalt

Im Rahmen von Diversität ist es auch wichtig über Intersektionalität zu sprechen. Der Begriff „Intersektionalität“ wird im Deutschen auch als Mehrfachdiskriminierung bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine analytische Perspektive und Theorie, welche gesellschaftliche Zusammenhänge in ihren Machtverhältnissen und dessen Verflechtungen beschreibt. Intersektionalität ist im Jahr 1989 durch die Schwarze Rechtswissenschaftlerin und Professorin Kimberlé Crenshaw im Justizsystem in den USA geprägt worden. Crenshaw hat sich dafür ein-gesetzt, dass es wichtig ist anzuerkennen, dass Diskriminierungsformen, wie zum Beispiel Sexismus oder Rassismus, nicht einzeln wirken, sondern miteinander verflochten sind (FUMA Erklärvideo zum Thema Intersektionalität). Crenshaw hat unter anderem das Sinnbild von sozialen Kategorien als viele (Autobahn)-Kreuzungen, also Intersektionen, genutzt, um Intersektionalität zu erklären (Kulturshaker: Intersektionalität). Dabei überschneiden sich diese Formen wie Kreuzungen miteinander und werden auch als Machtachsen bezeichnet. Das heißt, verschiedene Diskriminierungsformen, wie zum Beispiel Rassismen, Sexismen, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus, Ableismus und viele weitere, beeinflussen sich gegenseitig und können sich in ihrer Wirkung verstärken. Diese Erkenntnis wird mittlerweile global in gesell­schaftlichen Verhältnissen, wie zum Beispiel in den Sozialwissenschaften und der politischen Bildungsarbeit (Ganz, Kathrin/ Hausotter, Jette (2020)), verwendet und anerkannt. Mit einer in­tersektionalen Perspektive ist es möglich kom­plexe Zusammenhänge besser zu erkennen und zu berücksichtigen.

So finden Mehrfachdiskriminierungen überall da statt, wo Menschen zusammenkommen - unabhängig von ihrer Intention. Das heißt, Dis­kriminierungen und Mehrfachdiskriminierun­gen können überall stattfinden: in der Schule, auf der Arbeit, im Fitnessstudio, im Kranken­haus, im Club, in der Partei und im Freiwilligen­dienst.

Deshalb hilft eine intersektionale Perspektive dabei, die Herausforderung zu analysieren. Wie können zum Beispiel interessierte Freiwillige mit geringen Einkommen, die sich den Freiwilligendienst aufgrund mangelnder finanzieller Mittel kaum leisten können, teilnehmen und Unterstützung erhalten?

Reflexionsfragen

Für eine intersektionale und sensible Arbeit können sich in der eigenen Arbeit die folgenden Reflexionsfragen gestellt werden:

Fragen an mich als Fachkraft:

Welche Rolle nimmt Intersektionalität aktuell in meinem Alltag ein?

Was gewinne ich durch eine intersektionale Haltung in meiner Arbeit?

Wie kann ich Intersektionalität für mich und mein Umfeld nutzen?

Welche konkreten ersten Schritte sind möglich, um für Intersektionalität im Freiwilligendienst (weiter) zu sensibilisieren?

Fragen an meine Organisation:

Welche Zugangsbarrieren bestehen in meiner Organisation für Menschen, die mehrfachdiskriminiert sind (z. B. Schwarze queere Menschen mit Behinderung)? • In welchen Bereichen unserer Strukturen wird Vielfalt als Ressource verstanden – und wo eher als Herausforderung oder „Problem“?

Welche strukturellen Benachteiligungen gibt es im Freiwilligendienst und in der eigenen Organisation?

Gibt es in meinen Seminaren oder in den Einsatzstellen Räume, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten geschützt und sichtbar gemacht werden können?

Wie kann ich dafür sorgen, dass Freiwillige nicht auf eine einzige Identität reduziert werden (z. B. „die Person mit Behinderung“ oder „der Freiwillige mit Migrationserfahrung/-geschichte“)

Fragen an mein Team:

Welche Lern- oder Fortbildungsangebote zu Intersektionalität fehlen mir oder meinem Team noch?

Welche Stimmen, Perspektiven und Erfahrungen fehlen in unserer Arbeit – und wie können wir sie stärker einbeziehen?

Wie können wir verhindern, dass Intersektionalität nur als „Theorie“ verstanden wird, statt als praktische Haltung im Alltag?

Welche Kooperationen oder Netzwerke könnten uns helfen, unsere Praxis diversitätssensibler zu gestalten?

Autorinnen: Miki Welde und Charlotte Reichardt

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